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Angst, Panik und Phobien

von Franziska Luschas

Angststörungen

Zufolge aktuellen Studien der großen gesetzlichen Krankenkassen gehören Angststörungen zu den häufigsten psychischen Störungen und sie nehmen zu. Mehr als 15 % der Menschen leiden nach Schätzungen mindestens einmal in ihrem Leben an einer Angststörung. Frauen sind dabei häufiger betroffen wie Männer.

Angst ist nicht gleich Angst

Aber Angst ist nicht gleich Angst. Eine gewisse Furcht vor gefährlichen Tieren, aggressiven Menschen oder lebensbedrohlichen Situationen ist durchaus sinnvoll und kann Leben retten. Problematisch wird es erst dann, wenn die Angst krankhaft (= neurotisch) wird.

Übertrieben ängstlich zu reagieren heißt, dass wir - normalerweise harmlose - Situationen (z.B. harmlose Spinnen) als gefährlich bewerten.

In der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen, der ICD-10 Kapitel V (F), welche von Ärzten und Therapeuten zur Verschlüsselung von psychischen Erkrankungen in Deutschland i.d.R. verwendet wird, unterscheidet man verschiedene Ängststörungen.

3 Formen von Angst

Die Angststörungen werden hier in 3 Gruppen eingeteilt. Die (1) Phobien treten am häufigsten auf. Die Betroffenen haben eine unbegründete und anhaltende Angst vor Situationen, Gegenständen, Tätigkeiten oder Personen mit dem übermäßigen, unangemessenen Wunsch, den Angstauslöser zu vermeiden. Häufige Phobien sind Tierphobien, v.a. die Spinnen- oder Schlangenphobie. Bei manchen genügt die Vorstellung einer Spinne bereits aus, um in Panik zu geraten.



Kevincollins123, via Wikimedia Commons

Andere trauen sich nicht aus dem Haus, haben Angst Geschäfte zu betreten, Angst vor Menschenmengen oder weiten, öffentlichen Plätzen. Diese übertriebene Furcht wird auch als Agoraphobie bezeichnet.

Die häufigste Angst ist jedoch die Soziale Phobie, bei der die Betreffenden übermäßige Angst davor haben, sich vor anderen zu blamieren. Diese Störung ist meist mit einem niedrigen Selbstwertgefühl und einer übertriebenen Furcht vor Kritik durch andere verbunden. Gerade in Kontakt mit anderen Menschen fühlen sich diese Menschen oftmals unwohl, ihre Hände zittern, sie verspüren vermehrt Harndrang oder ihnen ist übel.

Zu den Angststörungen zählt auch die (2) Panikstörung, die sich durch wiederkehrende schwere Angstattacken (= Panik) auszeichnet und für die Betroffenen in der Regel nicht vorhersehbar sind. Die Symptome sind denen anderer Angsterkrankungen sehr ähnlich, wie z.B. plötzlich auftretendes Herzklopfen, Brustschmerzen, Erstickungsgefühle, Schwindel und Entfremdungsgefühle. Neben der Furcht zu sterben besteht häufig auch Angst vor Kontrollverlust oder die Angst, wahnsinnig zu werden.

Insbesondere bei den Phobien und Panikstörungen ist die Angst vor der Angst (= Erwartungsangst) enorm ausgeprägt und führt zu weiterer Anspannung, aber auch dazu, dass viele Leidende zunehmend mehr angstbesetzte Situationen vermeiden und damit langfristig ihr Leid vergrößern bzw. aufrecht erhalten.

Die letzte Gruppe der Angststörungen im ICD-10 betrifft die (3) Generalisierte Angststörung, eine allgemeine Furcht, die sich in zahlreichen Situationen zeigt und fast immer da ist. Die Leidtragenden befürchten alles Mögliche, z.B. dass ihnen oder ihren Angehörige etwas zustoßen könnte, etwa durch Krankheit oder Unfälle. Zu beobachten sind dabei sich abwechselnde Beschwerden wie ständige Nervosität, Zittern, Muskelspannung, Schwitzen, Benommenheit, Herzklopfen, Schwindelgefühle oder Oberbauchbeschwerden.

Professionelle Behandlung bei Angst

Obwohl eine Angststörung den Betreffenden stark einschränken kann, z.B. weil normale Tätigkeiten, wie einkaufen oder sich mit Freunden treffen, nicht mehr möglich sind, sind Ängste erfahrungsgemäß gut behandelbar.

Innerhalb der konventionellen Psychotherapien ist bei Angststörungen vor allem die Verhaltenstherapie Mittel der Wahl.

In einem ersten Schritt erlernt die Patientin eine Entspannungsmethode, häufig die Progressive Muskelentspannung.
Umso mehr wir es in der Angstsituation schaffen, uns durch eine wirksame Entspannungstechnik "runterzufahren", desto weniger fühlen wir uns ängstlich.

In der Psychologie spricht man auch von der Reziproken Hemmung, einem verlässlichen biologischen Wirkmechanismus unseres Körpers, der besagt, dass Angst und Entspannung im vollem Ausmaß nicht gleichzeitig nebeneinander bestehen können. Mit anderen Worten, wir können nicht 100%-ig entspannt sein und gleichzeitig 100%-ig Angst haben.

Im zweiten Schritt wird die Patientin der angstauslösenden Situation, z.B. U-Bahn, immer mehr ausgesetzt, bis sie sich daran "gewöhnt" hat. Die Patientin kann so am eigenen Leib erfahren, dass sie entgegen ihrer Erwartung zunehmend mehr in der Lage ist, die Situation auszuhalten. Damit verliert der angstmachende Auslöser (U-Bahn) seinen Schrecken.



Victor Bezrukov via Wikimedia Commons

Zusätzlich ist es sinnvoll, die angstmachenden Gedanken der Patientin (z.B. "Etwas schlimmes wird passieren.", "Das halte ich nicht aus.", "Ich werde verrückt.") immer wieder zu hinterfragen, in der entsprechenden Situation zu testen und durch rationalere Gedanken zu ersetzen.

Manchmal greift aber auch eine eine Verhaltenstherapie zu kurz, insbesondere dann, wenn sich hinter den Ängsten unbewusste (früh-) kindliche Traumata (v.a. Verlust-, Gewalterlebnisse) verbirgen. Wenn diese nicht ausreichend bearbeitet werden, können weitere psychischen Symptome, in welcher Ausprägung auch immer, zum Vorschein kommen.

Bei tiefgreifenderen Symptomen kann daher eine integrative Psychotherapie (wie die Schematherapie, das 10x EFT oder die Dialektisch-Behaviorale Therapie) sinnvoll und hilfreich sein.

Hier erfahren Sie mehr zum integrativen Ansatz des 10x EFT.

Was Sie selbst bei Angst tun können

  • Lernen Sie sich zu entspannen, z.B. mit der 10x EFT Grundtechnik, dem Autogenen Training oder durch Meditation.
  • Lesen Sie einen bewährten Selbsthilferatgeber, z.B. von Doris Wolf: "Ängste verstehen und überwinden."

Nach meinen Erfahrungen mit Hunderten von Klienten, gibt es kein kein Wundermittel gegen Angst, welches sofort und für immer wirkt. Wir haben keinen Angstschalter in uns, dem man einfach umlegen kann.

Im Laufe der Zeit haben wir durch bestimmte Erlebnisse gelernt mit Angst zu reagieren. Und deshalb braucht es Zeit, bis wir bessere Alternativen zu unserer Angst gelernt haben.

Wichtiger Hinweis

Suchen Sie bei anhaltenden oder starken Ängsten einen Arzt auf, um mögliche körperliche Ursachen (z.B. eine Schilddrüsenerkrankung) auszuschließen. Wenn Ihre Angst jedoch emotionale Gründe hat, empfehle ich Ihnen die professionelle Unterstützung eines Psychotherapeuten.



me, bamse via Wikimedia Commons

Werde der Boss im Kopf

Franziska Luschas

Diplom-Psychologin
10xEFT Expertin für Angstabbau

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