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"Ich bin doch nicht verrückt!" (Teil 1) Wenn nichts mehr geht ...

von Franziska Luschas

"Ich bin doch nicht verrückt."

Jedes Mal, wenn ich diesen Satz in meinem "ersten Leben" als Kauffrau gehört habe, nickte ich meinem Gegenüber verständnisvoll zu.

Heute, 20 Jahre später und nach etlichen Hunderten von Klienten in meiner psychotherapeutischen Praxis weiß ich, dass viele Menschen enorm leiden, bevor sie sich professionelle Hilfe suchen.

Vor einigen Tagen beispielsweise rief mich eine Studentin an. Sie berichtete, dass sie seit der Bypass-Operation ihres Vaters vor über zwei Jahren panische Angst davor hat, dass ihr Vater jeden Moment sterben könnte. Jedes Mal, wenn sie sich also von ihrem Vater verabschiedet befürchtet sie, dass dies das allerletzte Mal ist.

Mehrmals pro Woche träumt sie vom Tod ihres Vaters, so dass sie schweißgebadet aufwacht und völlig aufgelöst ihre Eltern anruft. Die Beziehung zu ihrem Freund hat diesen Stress nicht standgehalten. Er trennte sich vor einigen Monaten von ihr.

Das Lernen fällt ihr schwer, an die Uni geht sie nur noch alle paar Wochen. Die vormals lebenslustige junge Frau hat sich immer mehr zurückgezogen; die meisten ihrer Freunde sind weggefallen, sie ist kurz davor ihr Studium abzubrechen. Die meiste Zeit verbringt sie in Angst um ihren Vater, ihr Körper spielt verrückt und sie ist häufig krank.

Seit zirka einem halben Jahr kontrolliert sie außerdem zwanghaft ihren Laptop, Anrufbeantworter, Fernseher, die Herdplatte und andere Elektrogeräte. Und das manchmal einige hundert Male am Tag. "Dadurch" - berichtet die Studentin - "fühle ich mich ruhiger".

Und obwohl diese Umstände sowohl für sie als auch für ihre Eltern unglaublich belastend sind, fühlt sich die die junge Frau bisher außerstande, entsprechende Expertenhilfe, z.B. in Form von Psychotherapie, in Anspruch aufzusuchen.

Über dem Hausarzt bekam sie im letzten Jahr mehrere Antidepressiva verordnet, die, wie sie sagt: "Mal mehr, mal weniger" helfen.

Dieses Praxisbeispiel ist typisch und steht stellvertretend für viele andere Menschen, die unter Umständen noch länger leiden, bis sie sich dazu entscheiden, professionelle Hilfe einzuholen.

Nach meiner Frage, warum sie gerade jetzt Psychotherapie aufsucht, fängt sie das Schluchzen an: "Ich kann nicht mehr". Diesen Satz höre ich des Öfteren.



Baker131313, Eigenes Werk, Human Experiences, depression/loss of loved one

Als Psychologin interessierte mich dabei vor allem, warum Menschen, die ganz offensichtlich unter ihren Ängsten leiden, keine Psychotherapie machen können oder wollen?

Da ich mehr als 10 Jahre in wissenschaftlicher Psychologie ausgebildet wurde, betrachte ich mich in erster Linie als WOPPERIN (= wissenschaftlich orientierte Praktikerin; ein P zuviel, weil es sich besser anhört ;) ).

Das bedeutet vor allem, dass ich meine Vermutungen (= Hypothesen, warum sich jemand so verhält wie er sich verhält) in meiner Praxis standardisiert überprüfe. Und deshalb habe ich allen Interessenten und Patienten, die meine Hilfe in Anspruch nehmen (möchten), systematisch unter anderem die folgenden Fragen gestellt:

  • Wie sieht ihr Problem aus?
  • Wann trat es zum ersten Mal auf und wie entwickelte es sich seitdem?
  • Wie sehr leiden sie und/oder ihr Umfeld darunter?
  • Haben Sie sich deshalb bereits Hilfe gesucht oder selbst etwas dagegen unternommen?
  • Wenn nicht, was hat sie bisher davon abgehalten, psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch zu nehmen?

Insbesondere auf die Antworten der letzten Frage war ich mehr als gespannt.

Was sind also die häufigsten Gründe, warum Menschen trotz starker Ängste und Depressionen keine Psychotherapie machen?

Die 7 häufigsten Antworten erfahren Sie HIER, im 2. Teil: Die Angst vor Psychotherapie.

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