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Mehr Gelassenheit und Lebensfreude durch das Freude Tagebuch

von Franziska Luschas

Viele Menschen, denen ich in meiner Praxis begegne, haben schon sehr früh gelernt, sich auf das Negative in ihrem Leben zu konzentrieren.

Die wissenschaftlich sehr gut erforschte "Kognitive Verhaltenstherapie" spricht auch von lerngeschichtlich erworbenen geistigen Negativfiltern, die dazu führen, dass wir beispielsweise in "Katastrophen", "Alles-oder-Nichts-Kategorien" denken oder das Positive einfach ausblenden.

Wie manche vielleicht schon am eigenen Leib gespürt haben, werden unsere Gefühle zum größten Teil davon bestimmt, was wir denken (siehe auch Buch von Wolf/Merkle: "Gefühle verstehen, Probleme bewältigen").

Vielleicht können Sie sich ungefähr vorstellen, wie es einem Menschen geht, der davon überzeugt ist, dass:

  • es das Leben nicht gut mit ihm meint
  • er ausgenutzt wird, wenn er anderen Menschen vertraut
  • die Welt ein unsicherer Ort ist
  • er ungerecht behandelt wird
  • er sich alles hart erkämpfen muss
  • er keine Fehler machen und schon gar nicht unangenehm auffallen darf ….

Häufig erkläre ich dann meinen Klienten oder Seminarteilnehmern, dass wir normalerweise nicht als Baby auf die Welt kommen und denken, dass wir schlechte Menschen sind, unfähig, wertlos oder dass die Welt böse ist.

Warum wir negativ denken

Beobachten Sie einfach mal Babys oder kleine Kinder und deren unschuldige Neugier auf alles Neue, die Freude am Leben, den gesunde Entdeckerdrang, der noch in ihnen steckt...

Vor allem aber besitzen die meisten (kleineren) Kinder noch die Gabe loszulassen. Nur kurze Zeit, nachdem sie hingefallen sind, sich geärgert haben oder traurig waren, sind sie oftmals schon wieder mit etwas anderem beschäftigt.

Nachdem viele Menschen jedoch durch zahlreiche negative Erfahrungen gegangen sind, sich von ihren Eltern, Geschwistern, Mitschülern, Lehrern oder Freunden verletzt, enttäuscht, gedemütigt gefühlt haben, verschließen sie sich aus Angst vor weiteren Verletzungen.

Wir bleiben also in unserem vergangenen "kindlichen Schmerzkörper" (siehe auch E. Tolle: "Jetzt. Die Kraft der Gegenwart") gefangen, denken vorsichtshalber negativ, um nicht wieder enttäuscht zu werden und haben unsere Lebensfreude fast vollständig verloren.

Unser Denken wird aber nicht nur von unseren persönlichen Erfahrungen, die wir gemacht haben, bestimmt. Hinzu kommen auch lebensverneinende Denk- und Verhaltensweisen, die wir oftmals von unseren Eltern, Großeltern, Medien größtenteils unbewusst übernommen haben.

Man kann sagen, im Großen und Ganzen haben wir im Laufe unseres Lebens gelernt, so zu denken und zu fühlen, wie wir es heute tun, auch wenn uns das auf Dauer nicht gut tut oder sogar schädigt.

Aber das ist kein Schicksal, dem wir hilflos ausgeliefert sind, denn wir können unsere alten krankmachenden Denkmuster auch wieder verlernen und uns dafür hilfreichere und gesundere Denkweisen erarbeiten.

Wie Sie ein Freude Tagebuch schreiben

Etwas Neues auszuprobieren erzeugt jedoch bei vielen Menschen gewöhnlich Angst. Wer es trotzdem schafft, einen anderen - anfangs häufig ungewohnten und unbequemen - Weg zu gehen, der kommt erfahrungsgemäß am Ende gesunder und gestärkt heraus (siehe ganz unten: "Wolfsbild").

Ich möchte Ihnen anschließend ein paar konkrete Methoden an die Hand geben, mit denen Sie Ihre Gedanken, Ihre Gefühle und letztendlich auch Ihre zukünftigen Erfahrungen bewusster und positiver gestalten können:

  • Führen Sie zum Beispiel abends (für 5 bis 10 Minuten) ein Happy- oder Freude-Journal mit Ihren täglichen, positiven Erlebnissen
  • Ankern Sie Ihre positiven Gefühle
  • Denken Sie vorm Einschlafen an die Dinge in Ihrem Leben, wofür Sie dankbar sind

Konkrete Anleitung zum Führen eines Freude Tagebuches

  • Legen Sie sich ein schönes DIN A4 oder A5 (Tage) Buch (= Happy-Journal) an und erinnern Sie sich jeden Abend an 2, 3 oder mehr angenehme Erlebnisse, z.B. ich hatte eine nettes Gespräch mit meiner Arbeitskollegin, ich bin schnell und sicher zur Arbeit gekommen, mein Kind/Partner hat mich angelächelt und mir etwas Nettes gesagt, ich bin stolz auf mich, weil …, die Sonne hat geschienen, meine Zimmerpflanze hat ein schönes Grün usw.
  • Schreiben Sie diese Dinge zum Beispiel mit einem Füllfederhalter langsam und in Schönschrift
  • Bringen Sie Ihre Gefühle aufs Papier; wie haben Sie sich in dieser Situation gefühlt; fühlen Sie sich während des Aufschreibens noch einmal, so als würden Sie diese Situation noch einmal erleben
  • Sie können in Stichpunkten oder in ganzen Sätzen schreiben, je nachdem was sich für Sie besser anfühlt
  • Bringen Sie Ihre schönsten Erinnerungen immer und immer wieder in Ihr Bewusstsein, indem Sie z.B. ein Urlaubsfoto oder eine Muschel da anbringen, wo Sie sie sehen können. Hören Sie die Lieder an, die Sie in eine schöne Erinnerung bringen (= Positiver Gefühle-Anker)
  • Lassen Sie sich von Ihrem Handy 3 x am Tag "wecken" und überlegen Sie kurz, was bis dahin gut gelaufen ist oder für was Sie dankbar sind (= Dankbarkeit praktizieren)
  • Zählen Sie Ihre Erbsen: Stecken Sie 10 Erbsen o.ä. in Ihre linke Hosentasche und nehmen Sie bei jedem angenehmen Erlebnis eine Erbse und stecken Sie diese in Ihre rechte Hosentasche. Zählen Sie abends die Erbsen in Ihrer rechten Hosentasche und versuchen Sie sich daran zu erinnern, wofür diese Erbsen stehen



Yumi Kimura from Yokohama, JAPAN: "so happy smiling cat"

Schöne Erlebnisse zum besseren Einschlafen

Vor nicht allzu langer Zeit berichtete mir eine Klientin freudestrahlend, dass Sie nun schon seit einiger Zeit weniger grübelt und auch viel besser einschläft als früher.

Sie verriet mir von ihrem Spiel, bei dem sie und ihr Freund sich gegenseitig (kurz vorm Einschlafen) Erlebnisse erzählen, wofür sie jeweils dankbar sind. Gewonnen hat dann derjenige, der das "letzte Wort hat".

Oftmals schlafen die Beiden jedoch bei diesem entspannenden "Wettbewerb" ein.

Obwohl ihr Leben noch immer etliche nicht vorhersehbare Herausforderungen bereit hält, haben sie nach und nach eine positivere Einstellung zum Leben bekommen. Zum Beispiel nehmen sie ihre gewohnten negativen Gedanken nicht mehr so ernst und können sich auch wieder mehr an die schönen Dinge im Leben freuen.

Am meisten überrascht war die Dame jedoch darüber, dass diese einfache Freude- und Dankbarkeitsübung so gut funktioniert.

Sie berichtete, dass sie anfangs immer wieder ins "Negative reingezogen" wurde, doch schon nach einigen Monaten schaffte sie es immer weniger, sich für längere Zeit schlecht zu fühlen.

Ich wünsche Ihnen, ähnlich wie dieser Dame, eine gewisse Begeisterung und Hartnäckigkeit, um erstens diese einfache und wirksame Übung auszuprobieren und zweitens sie durch regelmäßiges Üben zur Gewohnheit werden zu lassen.

Werden Sie der Boss im Kopf

Franziska Luschas

Diplom-Psychologin
10xEFT Expertin für Angstabbau

P.S. Hier sehen Sie was passieren kann, wenn Sie sich trauen etwas anderes TUN als sonst:



Bohus/Wolf: Interaktives SkillsTraining für Borderline-Patienten. Patienten-Version.

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