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Naikan oder wahre Vergebung

von Franziska Luschas

Naikan - der Weg zur Versöhnung mit sich selbst

Gerade die Menschen, denen in der Kindheit Schlimmes angetan wurde, sehen sich häufig, obwohl längst erwachsen, als Opfer ihrer Vergangenheit. Viele von ihnen haben bereits eigene Kinder und doch können sie ihren Eltern nicht vergeben. Zu tief sitzen alte Gefühle der Enttäuschung, Wut, Traurigkeit, Scham oder Schuld. Manche Menschen fühlen sich vom Leben ungerecht behandelt und geben selbst noch nach vielen Jahren ihren Eltern die Schuld für alle möglichen Schwierigkeiten. Ihre Kinder sollen es einmal besser haben und so nehmen sich bei ihren eigenen Kindern ganz fest vor, ALLES anders machen.

Nun, was glauben Sie, inwiefern ist ein Mensch in der Lage, der die Verantwortung über seine Gefühle an andere abgibt, seinem Kind die volle Aufmerksamkeit und Liebe zu schenken und ihm ein gutes Vorbild zu sein? Das wird in den allermeisten Fällen kaum gelingen und der "Schmerz" wird unbewusst an die eigenen Kinder weiter gegeben, obgleich man für seine Kinder doch nur das Allerbeste möchte …

Eine sehr wirksame meditative Übung, um diesen Teufelskreis zu unterbrechen, ist NAIKAN. Naikan ist eine einfach zu erlernende und überaus kraftvolle Methode der Selbstbetrachtung und Selbstheilung. Sie kommt aus dem Japanischen und bedeutet "Nai" "Kan" für "Innere Beobachtung".
Naikan wird als frei von einem bestimmten religiösen Bezug angeboten. Die Wurzeln der Methode reichen aber zurück bis zum frühen Buddhismus.

Es geht nicht darum, alles gut zu heißen, was man an Negativem erfahren hat, sondern durch Naikan die eigenen erstarrten Denk- und Verhaltensmuster aufzulösen und sich mit der eigenen Vergangenheit zu versöhnen.



"Forgiveness" by Carlos Latuff. http://latuff2.deviantart.com/art/Forgiveness-10149879

Dazu bedarf es nicht nur ein gewisses Maß an Offenheit, sondern mindestens genauso viel Mut zu einer veränderten Sichtweise und absoluter Ehrlichkeit gegenüber sich selbst.

Anstatt darüber nachzudenken, was andere mir angetan oder nicht für mich getan haben, stellen Sie sich ehrlich die drei einfachen aber sehr kraftvollen Fragen:

  1. Was hat meine Mutter/mein Vater für mich getan?
  2. Was habe ich für meine Mutter/meinen Vater getan?
  3. Welche Schwierigkeiten habe ich meiner Mutter/meinem Vater bereitet?

Nehmen wir zum Beispiel die erste Frage: "Was hat meine Mutter für mich gemacht?" Wir erinnern uns häufiger daran, dass unsere Mutter etwas nicht für uns gemacht hat, bemerken aber gar nicht, was sie alles gemacht hat.

Wir können unsere Vergangenheit nicht ändern. Was wir aber tun können, ist unsere Vergangenheit so zu akzeptieren wie sie war. Mit Naikan sehen wir unsere Vergangenheit nicht von unserer, sondern von der anderen Seite her. Gleichzeitig sammeln wir "Beweise" für das, was wir bekommen haben, anstatt an unserer unglücklichen Kindheit festzuhalten.

Die drei Fragen auf meine ganz persönliche Situation anwenden

Wer mit seinen Eltern "im Reinen" ist, der kann anstelle von "Mutter" und "Vater" andere ihn nahestehende Personen einsetzen, über die er sich gerade ärgert, enttäuscht ist, usw., z.B.:

  1. Was hat mein Mann oder meine Frau heute für mich getan?
  2. Was habe ich für ihn oder sie getan?
  3. Welche Schwierigkeiten habe ich ihm oder ihr bereitet?

oder

  1. Was haben meine Kinder heute für mich getan?
  2. Was habe ich für sie getan?
  3. Welche Schwierigkeiten habe ich ihnen bereitet?

Welche Personen wir wählen und wie tief wir in die inneren Bilder eintauchen, bestimmen wir selbst. Nehmen Sie sich Zeit und Stille für diese meditative Innenschau.

Ich persönlich praktiziere seit mehr als vier Jahren "Naikan mit mir selbst", indem ich mir abends für einige Minuten zum Beispiel die folgenden Fragen stelle?

  1. Was hat mein Körper (oder andere Menschen) heute für mich getan?
  2. Was habe ich heute für meinen Körper (oder andere Menschen) getan?
  3. Welche Schwierigkeiten habe ich heute meinem Körper (anderen bereitet) bereitet?

Anfangs fiel es mir sehr schwer, mich aus meiner selbstverurteilenden Betrachtungsweise zu lösen. Inzwischen wende ich Naikan regelmäßig an und was soll ich sagen; obwohl meine "Spontanverdampfung" noch in weiter Ferne liegt, empfinde ich meinem Körper, meinen Lebenssituationen oder meinen Mitmenschen viel mehr Dankbarkeit gegenüber. Das hat mein Leben nicht nur leichter gemacht, sondern auch sinnvoller :)

Naikan wird mittlerweile auch in Schulen, psychosomatischen Kliniken und Strafvollzugsanstalten erfolgreich angewandt.

Hier erfahren Sie noch mehr über NAIKAN

  • http://www.kriminologie.uni-hamburg.de/wiki/index.php/Naikan
  • http://www.naikan.de
  • http://www.naikan.ws
  • D. Bölte: Drei Fragen die die Welt verändern: Die Naikan-Methode im Kontext von Spiritualität und Psychotherapie. Kamphausen.
  • C. Müller-Ebeling: Naikan Praxisbuch 1: Beruf, Schule, Familie, Seelsorge, Suchthilfe, Strafvollzug. Kamphausen.
  • G. Steinke: Naikan: Versöhnung mit sich selbst. Kamphausen.

 

Werde der Boss im Kopf

Franziska Luschas

Diplom-Psychologin
10xEFT Expertin für Angstabbau

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