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 Ausbildung • Psychologie 

Was ist ein Psychologischer Psychotherapeut?

von Franziska Luschas

Immer wieder werde ich von meinen Seminarteilnehmern und auch Klienten gefragt, was denn ein "Psychologischer Psychotherapeut" ist.

Diese Bezeichnung gibt es seit 1999, nachdem es fast ein Vierteljahrhundert dauerte bis sich 1999 das Psychotherapeutengesetz durchsetzen konnte. Seitdem ist die Bezeichnung "Psychotherapeut" nämlich gesetzlich geschützt.

Allerdings braucht man dafür eine "Approbation", also die staatliche Erlaubnis, diesen "Heilberuf" ausüben zu dürfen. Voraussetzung sind ein abgeschlossenes Studium der Psychologie sowie eine mindestens 3-jährige Ausbildung in einem anerkannten Therapieverfahren, die mit erfolgreicher Prüfung abgeschlossen wird.

Die folgenden psychotherapeutischen Verfahren wurden bisher wissenschaftlich anerkannt und werden auch von den Krankenkassen bezahlt:

  • Analytische Psychotherapie
  • Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
  • Verhaltenstherapie

Die Hypnosetherapie, Gesprächstherapie und Systemische Therapie sind inzwischen ebenfalls anerkannt, die Kosten dafür werden jedoch nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen von den Krankenkassen übernommen.

Da die Kognitive Verhaltenstherapie die meisten und überzeugensten Wirksamkeitsstudien vorweisen kann und zudem sehr praxisorientiert (Hilfe zur Selbsthilfe) ist, habe ich mich für die Ausbildung zur Verhaltenstherapeutin entschieden.

Minimale Gesamtausbildungszeit: 4.200 Stunden

Entweder man nimmt an einer 3-jährigen Vollzeit-Ausbildung oder wie ich, an einer 5-jährigen berufsbegleitenden Ausbildung teil, die jeweils 4200 Stunden beinhalten. Die Kosten variieren durchschnittlich zwischen ca. 15.000 und 25.000 Euro (Stand: 2006).

Im Oktober 2006 fing ich am IVS (Institut für Verhaltenstherapie) in Fürth mit dieser Ausbildung an. Die Dozenten sind alle Spezialisten auf ihrem Gebiet, d.h. v.a. Psychologische Psychotherapeuten, Psychologen, Professoren, Fachärzte oder Psychologische Gutachter.

In den Wochenendseminaren geht es um die Vertiefung von Fachwissen, z.B. über Persönlichkeitsstörungen, Krisenintervention, Psychopharmakologie, Schizophrenie, Angst-, Zwangs- oder Essstörungen.

Die therapeutische Vorgehensweise bei den unterschiedlichen Störungen wurde dann oftmals in Kleingruppen eingeübt und unter Supervision besprochen. Das praktische Know-how sammelte ich aber v.a. in psychologische Praxen und Kliniken.

Meine ersten 600 Praktikumstunden habe ich bei einem erfahrenen Psychologischen Psychotherapeuten, in seiner Psychologischen Praxis, in Fürth absolviert, wobei ich ca. 1/2 Jahr "co-therapeutisch" bei fast jedem seiner Patienten dabei war.
Häufig begegnete ich hier Menschen mit Depressionen, aber auch mit Angst- oder Essstörungen und Persönlichkeitsstörungen.

Was ich in dieser Zeit vor allem für mich mitgenommen habe, war die offene gelassene Haltung des Therapeuten, das ressourcenorientierte Arbeiten mit den Patienten und die integrative Verwendung von Interventionsmethoden aus der Systemischen Therapie, der Verhaltenstherapie und tiefenpsychologischen Methoden.

Die nächsten 1200 Stunden praktizierte ich als Psychologin im Nürnberger Nordklinikum für Psychiatrie und Psychotherapie auf einer allgemeinen psychiatrischen Station. Unter fachkundiger Anleitung und regelmäßiger Supervision betreute bzw. behandelte ich dort über 100 Patienten.

Darunter Menschen mit dem Borderline-Syndrom und anderen Persönlichkeitsstörungen, langwierigen Depressionen, schizophrenen Erkrankungen, hartnäckigen Suchterkrankungen, massiven Angst- oder Panikattacken. Dazu gehörte auch die Krisenintervention bei (akuter) Selbstmordgefahr.

Zusätzlich nahm ich noch an 120 Stunden Gruppen-Selbsterfahrung unter der Leitung eines erfahrenen Facharztes für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin in Nürnberg teil.

In den letzten 3 Jahren der Ausbildung, 2008, begann ich mit der insgesamt über 700-stündigen, eigenständigen psychotherapeutischen Behandlung von Patienten mit unterschiedlichen Störungsbildern.

Der zusätzliche Zeitaufwand für Vor- und Nachbereitung der Therapiestunden, Antragstellung (pro Patient einen 2-bis 4-seitigen Antrag für die Gutachter der Krankenkassen), Telefonkontakte, Vertiefung von Fachwissen und Bearbeitung der Prüfungsfälle, betrug nochmals über 900 Stunden.

Während der gesamten Behandlung von Patienten ist zudem eine regelmäßige Supervision von mind. 150 Stunden bei kompetenten, langjährig praktizierenden Psychologischen Psychotherapeuten vorgeschrieben.

Meine Ausbildung schloss ich, mit der staatlichen 2-stündigen schriftlichen und den insgesamt 2,5-stündigen mündlichen Prüfungen für Psychologische Psychotherapeuten, erfolgreich ab :) .

Diese Ausbildung in Psychotherapie berechtigt zum Erwerb der Approbation

Nach dem Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) stehen Psychologische Psychotherapeuten von ihrer "Kompetenz und Qualifikation" den Ärztlichen Psychotherapeuten, wie "Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie" oder "Facharzt für Psychotherapeutische Medizin" gleich.

Die Psychotherapeutenkammer (PTK) Bayern sieht im Hinblick auf "Ausbildung" und "Fachkenntnisse", "Selbständigkeit" und "Kompetenz" sowie die "hohe Verantwortung" bei der Berufsausübung von Psychologischen Psychotherapeuten ebenfalls keine Unterschiede zu entsprechenden Fachärzten.

Franziska Luschas
Diplom-Psychologin

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